Moor Schwarzwald Würzbach Lunor

Ein Moor ist mehr als eine gruselige Steilvorlage für Horrorfilme. Sie tragen maßgeblich zum Klimaschutz bei und bieten uns einen Ort der Erholung. Was am menschenverschlingenden Moor dran ist. Und wo Sie eines der schönsten Moore im Nordschwarzwald finden.

Als Kind hatte ich eine Heidenangst vor Mooren. Das waren diese düsteren und gefährlichen Sumpfgebiete. Ein falscher Tritt und zack, verschluckt dich das Moor. Es zieht dich Stück für Stück in die Tiefe und lässt dich nie wieder los. Ein langsamer und qualvoller Tod. Auch der Vater in Goethes Ballade „Der Erlkönig“ ist in meiner Vorstellung mit seinem Kind im Arm des Nachts durch ein Moor galoppiert. Genährt wird dieses Gruselbild durch Moorleichen, die immer wieder beim Torfstechen gefunden werden. Der letzte Fund einer Moorleiche in Deutschland stammt aus dem Jahr 2000: Moora, ein Mädchen das ca. 650 v. Chr. lebte und in einem Moor in Niedersachsen gefunden wurde.

Trotzdem ist gar nicht so viel dran, am menschenverschluckenden Horrormoor. Die Dichte eines menschlichen Körpers ist viel geringer, als die eines Moores. Ganz so einfach können wir also nicht schwuppdiwupp darin versinken. Auch die gefundenen Moorleichen wurden bewusst dort bestattet oder zurückgelassen. Oftmals waren das zum Tode verurteilte Verbrecher oder Menschenopfer für Götter. Die Leichname mussten übrigens mit Gewichten beschwert werden, um überhaupt im Moor einzusinken.

Der Schwarzwald beherbergt eine Vielzahl an sagenumwobenen Mooren. Eines davon ist das Würzbacher Moor. Unscheinbar, unbekannt, unwirklich. Es liegt nur wenige Fahrminuten vom Lunor Firmensitz in Bad Liebenzell entfernt. Hinweisschilder, ausgewiesene Parkplätze oder Touristenmassen sucht man hier vergeblich. Anfahrtsbeschreibung? Fehlanzeige! Es fühlt sich wie ein kleines Abenteuer an. Auf der Landstraße zwischen Oberreichenbach und Würzbach drossle ich das Tempo, unklar wonach ich eigentlich suche. Als zur linken Seite ein Wirtschaftsweg abgeht, sagt mir die Intuition dort zu parken und zu Fuß weiter zu gehen. Die betonierte Straße zweigt bald in den Wald ab und führt tiefer in den typischen Schwarzwälder Tannenwald.

Eine Großfamilie mit Hund überholt mich, laut palavernd und lachend. Sie bemerken das kleine Hinweisschild am Wegesrand gar nicht. Hier ist es also, das Würzbacher Moor. Wer ins Moor will, muss ab jetzt den gepflegten Weg verlassen und betritt einen Pfad, der sich in einem dunkleren Wald verliert. Einem ursprünglicheren Wald. Es handelt sich um einen Bannwald, ein Waldstück, das komplett sich selbst überlassen wird. Keine Bewirtschaftung, kein Aufforsten, einfach nur lebendige Natur. Quasi der Urwald von morgen. Ist der Weg anfangs noch breit und bequem begehbar, wird der Pfad mit jedem Meter schmaler. Mehr und mehr Wurzeln durchziehen den Fußweg. Bald muss jeder Schritt bewusst gesetzt werden.

Es ist ein heißer, trockener Augusttag und doch muss ich immer wieder über morastartige Pfützen springen. Ein Vorbote des Moores. Der Weg ist schnurgerade und führt in mehreren Etappen immer näher zum Herz des Moores. Dieses ist nur wenige Quadratmeter groß.  Umgestürzte Bäume versperren hie und da den Weg. Bei jedem Windstoß ächzen und knarren die Bäume hoch oben in den Wipfeln. Für einen kurzen Moment fühle ich mich unwohl. Offensichtlich stutzt hier niemand etwas zurecht. Was, wenn mich genau in diesem Moment ein herabfallender Ast erschlägt?

Moor: vor allem intakte Natur

Es geht immer tiefer hinein in den schwarzen Wald. Bis es plötzlich wieder lichter wird. Der dichte Tannenwald, in dem die Bäume Schulter an Schulter stehen, weicht einem offeneren Birkenwald. Die gesamte Atmosphäre und das Licht verändern sich. Es wird hell. Dann bin ich endlich da, im Zentrum des Moores. Ein kniehoher Wall aus Ästen und Zweigen versperrt den Weg auf die offene Fläche. Ich habe – den Kindheitserinnerungen sei Dank – auch gar kein Bedürfnis, das Moor zu betreten. Von der damit einhergehenden Zerstörung dieser einzigartigen Pflanzenwelt ganz abgesehen.

Keine Menschenseele verirrte sich an diesem Tag in das Würzbacher Moor. Auch wenn die eigene Vorstellung manchmal eine Gänsehaut bereitet. Ein Moor ist vor allem eines: faszinierende, intakte Natur. Kein menschenverschlingendes Sumpfland. Von einem Moment auf den anderen verdunkelt sich der Himmel. Ein Gewitter naht heran und da ich keine Lust habe, doch noch als Moorleiche in die Geschichtsbücher einzugehen, eile ich aus dem Moor, aus dem Wald, zurück in die Zivilisation.

Wussten Sie, dass…

… der Mensch Schätzungen zufolge bereits 99% aller Moore zerstört hat? Und das, obwohl Moore extrem viel CO2 speichern und somit den Klimaschutz und die Erhaltung der Artenvielfalt unterstützen. Sie können ganz einfach einen Teil zum Schutz der Moore beitragen: achten Sie beim Kauf von Blumenerde darauf, torffreie Erde zu kaufen.